Die Magnetfeldmethode (MFM) im Wing Tzun

Heidelberg:
Montags: ab 20:30 Uhr
Freitags: ab 19:30 Uhr
In der Ballettschule Lack
Falkengasse 10
69123 Wieblingen/Heidelberg
Wing Tsun Unterricht in Heilbronn:
Di. u. Do. 20:30 - 21:30 Uhr
Tanzschule: Dance-Stage
Karlstrasse 55 in 74072 Heilbronn (3 Gehminuten hinter der Harmonie)
Intensivtraining:
Privattraining nach telefonischer Vereinbarung möglich!
Januar 2012:
WT-Schule Heilbronn gestartet!
Bild: Flyer 2012
April 2011:
Bild: TG-Prüfung mit Sifu Marcin am 30.04.2011 in Meersburg.
Coachingtipps:
Exklusiv für unsere Mitglieder! Im Mitgliederbereich gibt es Coachingtipps zur Trainingsunterstützung via Videos u.v.m. für zu Hause.
Die Magnetfeldmethode (MFM) im Wing Tzun
Viele Laien und sogar auch Kampfsportler fragen sich, wie und wann der optimale Zeitpunkt für den Angriff bzw. für die Verteidigung nach vorne ist. Diese Frage stellen sich selbst Leute, die auf der Straße bedroht und Angegriffen werden und reagieren erst dann, wenn der Aggressor sich über sie hergemacht hat. Das Prinzip der Antwort (Angreifer) und Frage (Verteidiger/Erleidender) funktioniert nicht! Hierzu mehr in einem späteren Beitrag über die „Distanzphasen und deren Bedeutung im Kampf" und das Thema „Notwehrparagraph"
Selbst im Profiboxen laufen erfahrene Kämpfer ungeschickt in den Angriff ihres Gegners rein und werden getroffen - gehen evtl. sogar zu Boden oder diverse Kampfsportler verfehlen ihren Tritt ins Ziel. Das Problem was sich hier zeigt ist, dass Distanz-Timing Gefühl, d. h. die Überbrückungsdistanz/-dauer zum Gegenangriff ist evtl. fehlerhaft oder nicht ausreichend vorhanden. Nun wie könnten man sich diesem Problem nähern? Richtig: „Wir kommen am besten nicht in diese Situation! Aber was tun wenn wir in solch eine Lage geraten oder sogar uns solche „künstliche" Herausforderungen in Form von Wettkämpfen suchen?
Man könnte es experimentell immer wieder ausprobieren, bis man an einen gewissen „Zufriedenheitswert" gelangt, jedoch ist das Problem, dass man nicht immer den selben „Ideal-Gegner" als Antagonisten zur Verfügung hat, d.h. gleich bleibende Bedingungen (Person X, Körpergewicht, Bein-, Armlänge, Kampfsporterfahrung, Beweglichkeit, „sterile Umgebung", ...) sind daher illusionär und führen zwangsläufig in die Sackgasse der Verzweiflungen.
Nun werden jetzt einige kritische Leser sich fragen, der gute Mann hat ja Recht, jedoch zeigen viele Boxkämpfe oder Fußtrittstile, dass A gegen B trotzdem siegt bzw. B gegen A siegt, obwohl man hier nicht viel von Timing-Distanz sehen kann. Das mag wohl sein, jedoch gehen wir hier in meinem Beitrag, von der Selbstverteidigung bzw. von der Kampfkunst aus, wobei ich hier betone, dass der Kampf der Kunst vorausgeht und nicht in einer Form des sportlichen Duellkampfs stattfindet.
Die Aktionen A vs. B oder B vs. A unterliegen je nach dem anderen Gesetzmäßigkeiten. Dominant herrscht in diesem Modell der „offene Schlagaustausch", d.h. A schlägt B und B schlägt A gleichermaßen und sogar gleichzeitig, so dass beide Schäden davon tragen. Von diesem „offenen Schlagaustausch" möchten wir bzw. ich mich distanzieren. Man sollte versuchen aus dem Kampf immer noch hübsch und unversehrt zu gehen. Denn wenn der Vorher bzw. der Nachher Effekt nicht gleich ist, sollte man seine Strategie und Taktik (mehr zum Thema „Strategie und Taktik in der Kampfkunst" in einem der nächsten Beiträge von mir) überdenken und evtl. in Zukunft solche schmerzvollen Erlebnisse vermeiden. Denn der Kopf ist für sinnvollere Beschäftigungen (Denken, Essen und ästhetische Wahrnehmungen) geeignet, als sich systematisch äußerlich (Nasenbeinbrüche, Zahnausfälle, Augenverletzungen, etc.) und innere neuronale Verletzungen (Gehirnerschütterungen, was zur Folge haben kann, dass Gehirnzellen athrophieren und irreparabel Schäden im neuronalen Netz auftreten können) zuzuziehen. Hier zu gab es eine sog. „Boxerstudie" an der Kopfklinik Heidelberg, das Fazit war, dass tatsächlich im Boxsport die Gehirne mit einer Fremdbeschleunigung (durch: Schwinger-/Haken-/Jap-Angriffe) von etwa 30 km/h gegen die Innenseite des Schädels prallten bzw. gequetscht wurden. Man konnte tatsächlich mit bildgebenden Verfahren nachweisen, dass Areale im neuronalen Kortex beschädigt wurden.
Zurück zur Experimentierphase. Wir waren beim „Ideal-Gegner" und dessen „Nichtigkeit." Bevor man Experimente durchführt geht man von einer gewünschten Vorstellung über den Verlauf bzw. den Endzustand des Ergebnisses aus bzw. einer erwünschten und vermuteten Zielprognose.
Die Vorgehensweise ist also rein kognitiver Basis. Um Ideen zu illustrieren bedient man sich in der Regel visualisierender Medien, wie z.B. ein Blatt und einem Stift. Visuelle Medien sind Stützen des Lernens und Helfen uns und anderen an unseren Ideen interessierten Menschen möglichst plastisch und somit uns verständlich mitzuteilen.
Da die theoretische Physik der experimentellen vorangeht, begenügen wir uns der visuell-theoretischen Anschauung. Vorab die Rechnung MFM geht auf, sowohl in Praxis als auch in der Theorie, wobei jeder Mensch individuell ist und Messfehler mit sich bringt, ein gezieltes Training soll versuchen, den Faktor „menschliche Fehler" möglichst gegen Null anzustreben.
Werden wir nun etwas konkreter: Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass die Überschrift „Magnetfeld"(-Methode) ein markantes Wort ist. Es hat also etwas mit „Magnetismus" zu tun, also mit den Anziehungskräften von Objekten.
Genau, nach dieser Idee funktioniert das Prinzip im Wing Tsun. Sie werden sich fragen: „Ich merke keine magnetischen Anziehungskräfte zu meinem Trainingspartner oder Gegner eher zu meinem/r PartnerIn" Das ist auch gut so, sonst würden wir wohl alle aneinanderhaften und nicht mehr von einander los kommen.
Tatsächlich herrschen Anziehungskräfte zwischen Körpern auch wenn wir sie nicht spüren, jedoch lassen sie sich messen bzw. mathematisch erklären. Die Idee bzw. die Vorstellung der Anziehungskräfte von Körpern stellten Astrophysiker bei größeren Objekten, wie z.B. Sonne, Mond und Erde fest, denn je größer die Masse eines Objekts desto größer ist ihre Anziehung.
Diese physikalische Einheit lässt sich in unserem Beispiel nur sehr schwer mitberechnen, auch wenn wir zwei Sumoringer zur Verfügung hätten, daher können wir sie getrost außer Acht lassen.
Aber die Idee des Magnetismus bzw. die Phänomenologie der Anziehung lässt sich in die Bewegung bzw. ins Wing Tsun und somit in jede andere Bewegungskampfkunst übertragen.
Wenn wir zwei entgegengesetzt Magnetpole (Süd- und Nordpole bzw. Plus und Minuspole) aneinander halten merken wir eine starke Anziehung, welche mit Verringerung des Abstandes stärker wird. Die Übertragung in unser MFM-Modell sieht folgender maßen aus: (siehe hierzu auch Abb. 2)
Der Mittelpunkt M (wobei M = WT-AnwenderIn darstellen soll) ist somit das Zentrum des Kreises. Die Beinlänge von M stellt den Radius r dar (die längste Waffe des Menschen ist sein Sidekick!). Die Verteidigungsfläche ist somit ein radiales Feld, d.h. der Verteidiger hat einen Spielraum von 360 Grad um sich herum. Dieses Feld gilt es zu verteidigen. Die Kreislinie oder auch der Kreisrand ist die Signalzone für den Wing Tsun Anwender. Bei Übertritt durch A (A= Angreifer, Aggressor) schießt M also der WT´ler direkt entlang der Strecke Mr nach vorne (Universallösung: mit Tritt und Kettenfauststößen). Somit ist der WT´ler immer in seiner Verteidigungsaktion geschützt.
Dieses Beispiel soll die Theorie der Magnetfeldmethode darstellen, jedoch muss man dieses Modell (Skelett) mit Partnerübungen im Unterricht mit Leben bzw. „Fleisch" füllen. Um Distanz- und richtiges Timinggefühl einzutrainieren bzw. einschätzen zu können, sollte man stets dieses Modell als Idee für die Bewegungsausführung im Hinterkopf behalten.
Ebenso sollte man intensiv die einmalige Schrittarbeit (Footwork) des Wing Tsuns trainieren und damit eine möglichst explosive Startbewegung/"Startsprint" hinlegen (der Erststart in den Angriff des Gegners erfolgt wie beim Hundertmeterlauf, jede Sekunde Zählt, so dass man als Sieger ins Ziel einschießt) und gleichermaßen zur selben Zeit pfeilschnelle Kettenfauststöße zum Ziel hin richten.
Mit der Zeit wir die visuelle Wahrnehmung und die kognitive Verarbeitung von Informationen über Gefahr oder Sicherheit immer sensibler und somit auch der entscheidende „Anziehungsmoment/Aktionsmoment" schneller und präziser.
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<-- A |
M = WT-Anwender
A = Angreifer
r = Beinlänge von M (bzw. „Verteidigungsstrecke“)
d = Verteidigungsstrecken
Sifu Sueleyman, Heidelberg, 17. November 2005