Vom Yin zum Yang im Wing Tsun

Die genauen historischen Ursprünge liegen vermutlich viele tausend Jahre in der Vergangenheit. Zuerst wurde das Prinzip im I Ging erwähnt, das aber auch nur sehr ungenau auf etwa 700 bis 1000 Jahre v. Chr. datiert werden kann. Zu dieser Zeit standen Yin und Yang vermutlich noch für recht praktische, alltägliche Dinge.
Anhand der entsprechenden chinesischen Schriftzeichen wird vermutet, dass Yin anfangs vermutlich die Bezeichnung für die kältere, nach Norden weisende Seite eines Hügels war; mit Yang wurde die wärmere, nach Süden weisende Seite bezeichnet. Ursprünglich war es also eine rein geografische Einordnung. Nach und nach wurde Yang mit Sonnenlicht allgemein gleichgesetzt, während Yin mit Schatten verbunden wurde. Bald wurde daraus abgeleitet, dass die Sonne selbst Yang ist, Erde und Mond hingegen waren Yin.
Mit der Zeit wurden die Begriffe immer abstrakter, allgemeiner angewendet. Ein Beispiel aus dem Tai-Chi: Frage: „Schau einen Stock an - sein eines Ende ist Yin, das andere Yang. Welches ist wichtiger?" Antwort: „Der Stock selbst ist wichtig!"
Das Prinzip des Yin und Yang 阴阳 (Abb. 1) beschreibt ein Phänomen aus der chinesischen Natur-Philosophie und der Mythologie, es steht für „equal balance" oder auch für die „gleichmäßige Balance". Es ist die Vereinigung von Gegensätzen. Da das Gesamte bzw. das Ganze aus Teilen und Einzelteilen besteht, ist das eine ohne das andere kein Ganzes (bspw. Stock). Dies bedeutet, dass ein Teil alleine kein gemeinsames Ganzes ist.

Abb. 1)  (Symbol Yin und Yang)


Die Bewegungen im Wing Tsun lassen sich durchaus mit dem Prinzip des „fließenden Wassers" (dynamisches Yin) beschreiben. Der König des Kung Fu äußerte sich stets mit der Aussage: „Be like water" oder auch „like water my friend" ebenso sagte er: „be formless". Er beschrieb die Anpassungsfähigkeit der Kung Fu Techniken im Wing Tsun als eine formlose Bewegungskampfkunst.

Die Intension einen Fauststoß auszuführen ist der Erste Schritt, d.h. das gibt die Information an das den Arm zu einer bestimmten Bewegung anzuleiten.

Da Yin im chinesischen für das weibliche bzw. für das weiche (dynamische) steht und Yang für das männliche (feste), lässt sich z.B. der Fauststoß wie folgt erklären und somit auch alle Bewegungen im Wing Tzun.
W-ges = const = W-kin + W-pot.(Energieerhaltungssatz)
Wenn man die Energien in Phasenbildern darstellen würde ergebe sich Bild (2): Arm in der Bewegungfolgendes Bild (1): Arm in Ruhe (W-pot) Bild (3): Arm in Ruhe ausgesteckt (W-pot). Vergleichbar mit(W-kin) Auslenkung:einer Schaukel oder einem Pendel: Pendel in Ruhe (W-pot) Pendel in Bewegung (W-kin), Pendel im Wendepunkt (W-pot)...(Wobei W-kin max. im Mittelpunkt der Kreisbahn ist und somit die max. Geschwindigkeit hat und W-pot max. in den Wendepunkten liegt) W-kin = ½ m * v^2 (m = Masse, v = Geschwindigkeit) und W-pot = m* g * h (g = Erdbeschleunigung = 9,81 m/s^2, h = Höhe oder Länge)

Abschließend lässt sich sagen, dass dieser Beitrag Veränderungen in den Köpfen und somit in der Anwendung hinterlassen soll. Die Idee entsteht im Geist, der Geist leitet den Körper an zu Handeln. Die Handlung ist die physische Form des Geistes. Die Verschmelzung von Geist und Körper als eine gemeinsame Einheit ist das Ziel in der „Kung Fu -Pädagogik".

Sifu Sueleyman, 20. Oktober 2005

 

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