Die Formen des Ving Tsun​

Die Formen im Wing Chun (Ving Tsun/Wing Tsun) sind zunächst feste Bewegungsabläufe, später ist man formfrei - ganz im Sinne von Bruce Lee: “Empty your Mind, be Formless, Shapeless, like Water, be Water my friend.”

 

Formen sind Ein-Personen-Übungen (also ohne Gegner; ähnlich japanischer Katas) spezieller Positionen und Techniken, die bei sorgfältiger Ausführung die nötige Selbstkontrolle (Körperkoordination, finden des idealen Körperschwerpunkt, Introspektion) fördern und uns helfen vorteilhafte Positionen zu erreichen. Darüber hinaus kann man die Kräfte des Gegners absorbieren und die eigene Stabilität erhalten, wenn die Formen im richtigen Winkel eingesetzt werden. Die genaue Ausführung der Formen unter professioneller Anleitung ist daher von enormer Bedeutung, da es die ersten Schritte zum Kampfkunststudium einleitet.  Das Regelwerk der Formen beinhaltet Bewegungs-/Verhaltensmuster für den Kampf. Im Ving Tsun existieren insgesamt sechs Formen, wobei die letzten zwei die Waffenformen sind.


Die erste Form: Siu-Nim-Tao („Kleine Idee“)

Siu-Nim-Tao ist die erste waffenlose Form und sozusagen das Fundament des Ving Tsun und beinhaltet umfangreiche praktikable Abwehr- und Angriffsbewegungen als Grundlage für den Nahkampf. Sie soll dem Anfänger eine „kleine Idee“ von den effizienten und effektiven Prinzipien des Ving Tsun vermitteln.


Die zweite Form: Chum-Kiu („Brückenform“)

Chum Kiu beinhaltet eine Vielzahl von Techniken und Bewegungen, um die Lücke zu einem Gegner zu überbrücken. Wesentliche Elemente sind die Kraftentwicklung aus der Hüfte, die Beinarbeit und der gleichzeitige Einsatz beider Arme. Die Techniken vom Chum-Kiu ermöglichen es, in allen Situationen die eigene Balance zu halten, den Gegner zu verfolgen und das Ziel exakt zu fokussieren und mit Faust, Handfläche, Handkante, Ellenbogen, Knie und Kick gezielt anzugreifen.


Die dritte Form: Biu-Jee („Stoßende Finger“)

Die Techniken von Biu-Jee (Biu-Tzi), die oft auch als „Notfalltechniken“ bezeichnet werden, dienen dazu aus der Defensive in die Offensive zu gelangen. Dies kann z.B. erforderlich sein, wenn mehrere Gegner angreifen, Waffen zum Einsatz kommen oder wenn man die Kontrolle im Kampf verloren hat (Fehler zu machen ist menschlich). Entgegen der Grundausrichtung von Ving Tsun werden die Techniken der dritten Form sehr dynamisch ausgeführt, um Spiralkräfte, sowie die Fallhöhe/Fallenergie der Arme optimal zu nutzen. 


Die vierte Form: Mook Yan Chong („Holzpuppenform“)

Mook Yan Chong beinhaltet Elemente aus allen drei bisherigen Formen und wird nach der zweiten Form (Chum Kiu) unterrichtet und dient als wichtiges Trainingsgerät der Verbesserung von Koordination, Angriffswinkel, Distanzgefühl und Timing. Die Übungen an der Holzpuppe schulen den Körper sich synchron als kompakte Einheit zu bewegen. Der Praktizierende erhält beim Training ein deutliches Feedback und kann so seine Fähigkeiten auf ein höheres Niveau bringen.


Die fünfte Form: Lok Dim Boon Gwan („Langstockform“)

Durch das Langstocktraining und spezielle Trainingsdrills (Solo- und Partnerdrills) wird eine enorme strukturelle Kraft ausgebildet und die Kontrolle, Balance und Körperkoordination verbessert. Eine ganzkörperliche explosive Kraftentfaltung aus dem Boden wird insbesondere durch den tiefen Shaolin-Stand in Verbindung mit einem eng anliegenden hinteren Ellbogen geschult. Das Langstocktraining bietet ab der zweiten Form eine hervorragende Ergänzung zum alltäglichen Training.


Die sechste Form: Baat Cham Dao („Doppelmesserform“)

Im Gegensatz zum waffenlosen Kampf ist es im bewaffneten Kampf nicht ratsam dem Gegner frontal gegenüber zu stehen. Daher wird im Training mit dem Doppelmesser durch spezielle Schritttechniken die gegnerische Angriffslinie verlassen und der Angreifer flankiert. Schnelligkeit, Kampfgeist und das richtige Timing sind bei der Ausübung dieser Form von elementarer Bedeutung.


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TRAINER Sifu Sueleyman Kurun
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